Die Schließung des Hallen- und Freizeitbads Minara bewegt viele Menschen in Bad Dürrheim, wirft viele Fragen auf und sorgt für Gesprächsbedarf.
Mit den folgenden Fragen und Antworten möchte die Stadtverwaltung und die Kur- und Bäder GmbH die wichtigsten Informationen zusammenfassen, Hintergründe erläutern und transparent über die aktuelle Situation sowie die nächsten Schritte informieren.
Nein. Der Gemeinderat hat am 25. Juni 2026 ausdrücklich keine Entscheidung über eine Schließung getroffen. Beschlossen wurde vielmehr, die Weiterführung des Minara angesichts der finanziellen Gesamtsituation der Stadt umfassend zu prüfen und hierzu einen strukturierten Prüf- und Beteiligungsprozess durchzuführen.
Ziel ist es, gemeinsam mit Bürgerschaft, Schulen, Vereinen und weiteren Beteiligten tragfähige Lösungen zu untersuchen. Ein Zwischenfazit soll im Dezember 2026 gezogen werden. Eine abschließende Entscheidung soll spätestens bis Juni 2027 getroffen werden.
Die Stadt Bad Dürrheim steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Deshalb müssen sämtliche freiwilligen Leistungen und dauerhaft defizitären Angebote betrachtet werden.
Das Minara erfüllt wichtige gesellschaftliche Aufgaben – beispielsweise für Familien, Schulen, Vereine, Schwimmkurse und die DLRG. Gleichzeitig verursacht sein Betrieb jedes Jahr ein erhebliches Defizit. Deshalb muss geprüft werden, ob und in welcher Form das Angebot langfristig finanzierbar ist.
Dabei geht es nicht allein um das Minara. Die Stadt verfolgt einen umfassenden Konsolidierungskurs mit Maß-nahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite.
Auf Basis der Betriebsabrechnungen 2024 und 2025 standen im Jahr 2025 betrieblichen Einnahmen von rund 244.000 Euro betriebliche Aufwendungen von rund 875.000 Euro gegenüber.
Das bedeutet: Bei einer vollständigen Schließung würden unter Berücksichtigung der entfallenden Einnahmen voraussichtlich rund 631.000 Euro jährlich an laufenden Betriebskosten eingespart. Unter Einbeziehung buchhalterischer Positionen ergibt sich für 2025 eine rechnerische Einsparung von rund 660.000 Euro.
Daneben bestehen auf Ebene der Stadt weiterhin Aufwendungen aus der zurückliegenden Investition, insbesondere Abschreibungen, Tilgung und Zinsen. Diese Kosten verschwinden durch eine mögliche Schließung nicht automatisch.
Nein. Kommunale Hallenbäder sind in Deutschland strukturell bedingt in aller Regel Zuschussbetriebe. Nach den in der Informationsveranstaltung auf Basis professioneller Marktanalysen dargestellten Vergleichszahlen lag das durchschnittliche jährliche Defizit eines Hallenbades in Deutschland 2023 zwischen 800.000 und 1,1 Millionen Euro vor Abschreibungen und Zinsen. Tendenziell steigt das durchschnittliche Defizit der Hallenbäder in den nächsten Jahren auch weiterhin an.
Dass andere Bäder ebenfalls hohe oder sogar noch höhere Defizite aufweisen, löst allerdings nicht die finanzielle Herausforderung der Stadt Bad Dürrheim.
Ja. Von September 2019 bis August 2021 wurde das Minara umfassend generalsaniert und im September 2021 wiedereröffnet. Die Investitionen einschließlich Betriebs- und Geschäftsausstattung beliefen sich auf rund 7,88 Millionen Euro netto. Nach Abzug der erhaltenen Fördermittel verblieben rund 7,43 Millionen Euro.
Zum Zeitpunkt der damaligen Entscheidung des Gemeinderates wurde das heutige Defizit bereits sehr genau prognostiziert. Dennoch wurde die Sanierung damals beschlossen, um das Hallenbad langfristig für die Öffent-lichkeit sowie für das Schul-und Vereinsschwimmen zu erhalten.
Die Notwendigkeit zur aktuellen Diskussion des zukünftigen Minaras beruht auf den inzwischen deutlich erschwerten Rahmenbedingungen im städtischen Haushalt.
Ja. Insbesondere beim Energieverbrauch konnten erhebliche Verbesserungen erreicht werden. Gegenüber 2018 sank der Stromverbrauch bis 2025 von rund 466.000 kWh auf rund 221.000 kWh – eine Reduzierung um 52,6 Prozent. Der Gasverbrauch sank von rund 2,17 Millionen kWh auf rund 1,42 Millionen kWh – eine Reduzierung um 34,6 Prozent.
Erreicht wurden die Einsparungen unter anderem durch Verbesserungen bei Beleuchtung, Heizung und Warmwasserbereitung, Lüftungsanlage, Gebäudeleittechnik und Hocheffizienzpumpen.
Die aktuelle wirtschaftliche Herausforderung ist deshalb nicht allein eine Frage des energetischen Zustands des Gebäudes, sondern des grundlegenden strukturellen Zuschussbedarfs eines Hallenbadbetriebs.
Im Jahr 2001 verzeichnete das Minara noch rund 145.200 Besuche. Bereits vor der Generalsanierung war die Zahl deutlich zurückgegangen und lag 2018 trotz des damals noch vorhandenen Freibades bei nur noch rund 64.700.
Nach der sanierungsbedingten Schließungsphase wurden im ersten vollständigen Betriebsjahr 2022 rund 40.500, 2023 rund 39.300, 2024 rund 42.450 und 2025 rund 46.600 Besuche gezählt. Die Besucherzahlen steigen damit zuletzt wieder an, liegen aber weiterhin deutlich unter dem Niveau früherer Jahre.
Ja. Das Minara erfüllt eine wichtige Funktion für Schulen, Schwimmvereine, DLRG und Schwimmausbildung.
2025 entfielen durchschnittlich rund 12,8 Stunden pro Woche auf Schulen, rund 11,4 Stunden auf Vereine und rund 4 Stunden auf eigene Schwimmkurse. Daneben stand das Bad durchschnittlich rund 62,7 Stunden pro Woche der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Gerade die Bedeutung für Schul- und Vereinsschwimmen ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil des laufenden Prüfprozesses.
Hierzu gibt es noch keine abschließende Lösung. Genau deshalb sollen mögliche Alternativen frühzeitig untersucht werden, die zumindest teilweise das Schul- und Vereinsschwimmen kompensieren könnten. Dazu gehören beispielsweise Kooperationen mit Kliniken, benachbarten Einrichtungen oder anderen Bädern.
Gespräche mit Kliniken, umliegenden Einrichtungen und Bädern sind Bestandteil des laufenden Prüfprozesses.
Diese Möglichkeit wurde bereits untersucht. Anfang 2026 wurden vier Varianten eines zusätzlichen 25-Meter-Sportbeckens mit vier beziehungsweise fünf Bahnen geprüft.
Je nach Ausführung wurden hierfür zusätzliche Investitionskosten zwischen rund 6,53 Millionen und 9,45 Millionen Euro ermittelt. Der Aufsichtsrat der Kur- und Bäder GmbH hat einstimmig entschieden, ein solches Sportbecken nicht in den laufenden Realisierungswettbewerb für den Solemar-Neubau aufzunehmen.
Der Gemeinderat entschied bereits im Januar 2018 aus wirtschaftlichen Gründen, die technische Sanierung des Minara ohne Freibad umzusetzen. Ein zusätzlicher Freibadbetrieb hätte sowohl die notwendigen Investitionen als auch das laufende Defizit weiter erhöht.
Ein Freibad würde zwar voraussichtlich zusätzliche Besucherinnen und Besucher anziehen. Gleichzeitig würden jedoch erhebliche zusätzliche Investitions-, Personal-, Betriebs- und Unterhaltungskosten entstehen. Die zusätzlichen Einnahmen würden jedoch diese Mehrkosten nicht ausgleichen. Das jährliche Defizit würde sich dadurch deutlich erhöhen und nicht verringern.
Die Eintrittspreise wurden in der Vergangenheit bereits regelmäßig überprüft und angepasst. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Minara ein öffentliches Freizeit- und Sportangebot ist, das für möglichst viele Menschen zugänglich bleiben soll.
Die Eintrittspreise müssen daher auch sozialverträglich sein und dürfen insbesondere Familien, Kinder, Jugendliche, Seniorinnen und Senioren sowie Vereine nicht übermäßig belasten.
Zudem zeigen die vorliegenden Berechnungen, dass selbst deutliche Preiserhöhungen das bestehende Defizit nicht ausgleichen könnten. Deshalb kann die wirtschaftliche Situation nicht über höhere Eintrittspreise gelöst werden.
Zusätzliche Werbung ist grundsätzlich möglich. Dabei muss jedoch immer betrachtet werden, welche zusätzlichen Kosten entstehen und welche zusätzlichen Besucher und Einnahmen dadurch realistisch auch tatsächlich erreicht werden können.
Ja. Genau solche Ideen sollen im Beteiligungsprozess untersucht werden.
Denkbar sind beispielsweise ein Förderverein mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden, Sponsoring, Unterstützung bei Veranstaltungen und Aktionen, Kooperationen mit Vereinen, Unterstützung bei der Fördermittelakquise oder – soweit rechtlich und organisatorisch möglich – Hilfe bei Aufsicht, Pflege- und Instandhaltungsmaßnahmen.
Ehrenamtliches Engagement kann einen wichtigen Beitrag leisten. Entscheidend bleibt aber, ob daraus gemeinsam mit weiteren Maßnahmen ein dauerhaft tragfähiges Betriebsmodell entsteht.
Auch das wird geprüft. Der Gemeinderat hat ausdrücklich die Untersuchung eines Übergangs an einen Trägerverein oder privaten Betreiber beschlossen.
Voraussetzung wäre ein langfristig tragfähiges Modell. Als Zielgröße wurde festgelegt, dass ein städtischer Zuschuss bei einem solchen Modell dauerhaft maximal 200.000 Euro pro Jahr betragen soll.
Ja. Der Prüfauftrag ist bewusst ergebnisoffen angelegt. Neben einem Weiterbetrieb in veränderter Form sollen auch andere Szenarien untersucht werden.
Dazu gehören eine Teilumnutzung für Freizeit- oder touristische Angebote sowie – falls kein tragfähiges Betriebsmodell gefunden werden kann – ein Rückbau mit anschließender Entwicklung alternativer Nutzungen, beispielsweise Wohnen oder Grünflächen.
Die möglichen Rückforderungen wurden geprüft.
Die Kur- und Bäder GmbH erhielt insgesamt rund 451.000 Euro Fördermittel. Diese Summe setzt sich aus einer Förderung des Projektträgers Jülich in Höhe von rund 270.000 Euro sowie eine Förderung der L-Bank in Höhe von rund 181.000 Euro zusammen. Beim Zuschuss des Projektträgers Jülich besteht nach Ablauf von fünf Jahren keine Rückzahlungspflicht. Bei der L-Bank kann zwischen fünf und zehn Jahren eine anteilige Rückerstattung relevant werden.
Darüber hinaus besteht ein geförderter KfW-Investitionskredit der Stadt über ursprünglich 2 Millionen Euro. Nach den vorliegenden Informationen wird hierfür keine Rückerstattung gefordert.
Nach der derzeitigen Haushaltslage nein. Die Stadt muss ihren Haushalt insgesamt dauerhaft konsolidieren. Die Prüfung des Minara ist dabei nur eine von mehreren Konsolidierungsmaßnahmen.
Selbst eine deutliche Reduzierung des Minara-Defizits würde nach der aktuellen Finanzlage keine Senkung der Grundsteuer B ermöglichen.
Die Haushaltskonsolidierung betrifft nicht nur das Minara. Die Stadt und die Kur- und Bäder GmbH überprüfen laufend ihre Einnahmen, Ausgaben, Strukturen und freiwilligen Leistungen.
Dazu gehören unter anderem Maßnahmen zur Erhöhung von Einnahmen ebenso wie Wiederbesetzungssperren, die Überprüfung freiwilliger Aufgaben und Angebote, effizientere Verwaltungsstrukturen, Kooperationen sowie die stärkere Nutzung von Sponsoring und Drittmitteln.
Das Minara ist damit nicht die einzige Konsolidierungsmaßnahme, aufgrund seines erheblichen jährlichen Zuschussbedarfs kann es bei der Betrachtung des Gesamthaushalts aber auch nicht ausgeklammert werden.
Eine wichtige. Der Gemeinderat hat ausdrücklich einen transparenten Beteiligungsprozess beschlossen. Neben Informationsveranstaltungen sollen Ideen aus Bürgerschaft, Vereinen und Schulen aufgenommen und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.
Auch Vorschläge zu neuen Betreiberformen, Kooperationen, Sponsoring, ehrenamtlicher Unterstützung oder anderen Möglichkeiten zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sind ausdrücklich erwünscht.
Für eine tragfähige Entscheidung sind vier Kriterien entscheidend:
Keine einzelne Kennzahl und kein einzelnes Argument soll die Entscheidung bestimmen. Entscheidend ist die belastbare Gesamtwirkung einer Lösung.
Bis Ende 2026 werden verschiedene Modelle, Kooperationen und Alternativen geprüft und die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses ausgewertet.
Am 17. Dezember 2026 soll der Gemeinderat im Zusammenhang mit den Haushaltsberatungen und dem Wirtschaftsplan der Kur- und Bäder GmbH ein Zwischenfazit ziehen. Die abschließende Entscheidung soll spätestens bis Juni 2027 getroffen werden.
Bis dahin gilt: Der Prozess ist ergebnisoffen. Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die gesellschaftlichen Nutzen, finanzielle Tragfähigkeit und langfristige Verantwortung miteinander verbindet.
Wir möchten nicht nur Fragen, Anregungen und Ideen sammeln, sondern auch erfahren, wer sich aktiv in den weiteren Prozess rund um das Minara einbringen möchte. Wenn Sie Interesse an einer Mitwirkung haben, teilen Sie uns dies bitte zusammen mit Ihren Ideen oder Vorschlägen bis zum 6. September per E-Mail an zukunft.minara@kurundbaeder.de mit.